Die Riesachfälle sind schon von weitem zu hören. Je näher man kommt, desto mehr wird das Rauschen des Wassers zum bestimmenden Eindruck. Zwischen Felsen und Wald bahnt sich der Bach seinen Weg talwärts.
Von dort führt der Weg weiter hinauf zum Riesachsee. Die beiden Orte liegen nicht weit auseinander, wirken aber ganz unterschiedlich: unten das bewegte Wasser, weiter oben die offenere Berglandschaft.
Die Kraft des Wassers
Wasserfälle fotografisch festzuhalten, ist eine Frage des richtigen Blickwinkels. Ein weiter Ausschnitt zeigt, wie sich das Wasser durch die Landschaft bewegt. Eine Nahaufnahme konzentriert sich auf Strukturen, Strömungen und die Formen, die über lange Zeit im Fels entstanden sind.
Je nach Licht und Belichtungszeit kann Wasser ganz unterschiedlich wirken. Mit einer längeren Belichtung werden einzelne Bewegungen zu weichen Flächen. Eine kürzere Belichtungszeit hält die Tropfen und Strukturen deutlicher fest.
Ich finde es spannend, bei solchen Motiven zwischen der Gesamtansicht und den kleinen Details zu wechseln. Erst dadurch wird sichtbar, wie unterschiedlich ein und derselbe Ort wirken kann.
Weiter hinauf zum Riesachsee
Hinter den Wasserfällen geht es weiter bergauf. Der Weg führt durch die Berglandschaft der Schladminger Tauern, vorbei an Fels, Wald und immer wieder neuen Ausblicken. Am Riesachsee verändert sich der Eindruck nochmals. Hier steht nicht mehr allein die Bewegung des Wassers im Mittelpunkt. Die Umgebung wird weiter, das Wasser liegt zwischen den Bergen und die Landschaft lässt sich als Ganzes erfassen. Für die Fotografie lohnt es sich, nicht nur auf die bekannten Ansichten zu achten. Oft sind es die Übergänge zwischen zwei Orten, die den Charakter einer Tour ausmachen.
Landschaft fotografieren, ohne sie zu überladen
Bei Landschaftsaufnahmen ist die Versuchung groß, möglichst viel in ein Bild zu packen: Berge, Wasser, Vordergrund und Himmel. Manchmal funktioniert aber gerade ein reduzierter Ausschnitt besser.
Ein einzelner Fels, eine Linie im Gelände oder die Spiegelung auf der Wasseroberfläche kann genügen, um den Blick durch das Bild zu führen.
An den Riesachfällen und am Riesachsee bieten sich dafür sehr unterschiedliche Motive. Die Herausforderung besteht weniger darin, alles zu zeigen, als einen passenden Ausschnitt zu finden.
Die Riesachfälle und der Riesachsee zeigen zwei ganz unterschiedliche Seiten dieser Berglandschaft. Unten bestimmt das Wasser den Eindruck, weiter oben wird die Landschaft ruhiger und weiter.
Für mich gehört beides zusammen. Nicht nur das einzelne Motiv, sondern auch der Weg dazwischen macht den Reiz dieser Tour aus.
Fotografieren im Familienurlaub
Die Riesachfälle und der Riesachsee waren Teil eines Kurzurlaubs mit meiner Familie. Die Gelegenheit, diese Landschaft auch fotografisch festzuhalten, wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Wer mit der Familie unterwegs ist und nebenbei fotografieren möchte, kennt das vielleicht: Man entdeckt ein Motiv, sucht noch nach dem passenden Ausschnitt und würde am liebsten ein paar Minuten länger bleiben. Dann kommt von hinten ein vertrautes „Papa, komm jetzt!“.
Da bleibt manchmal nicht viel Zeit, um alle Bildideen umzusetzen. Man nimmt mit, was sich ergibt, und geht weiter – aber das gehört zu solchen Ausflügen eben auch dazu.
Jakob Günther